Das neueste aus dem HELILABOR
Das Helilabor beschäftigt sich mit Verbesserungen an den Fluggeräten. Dabei geht es darum eigene Ideen umzusetzen oder auch Gelesenes nachzuvollziehen und zu verbessern. Die Ergebnisse dieser spannenden Forschungsarbeit werden dann hier veröffentlicht. Bei allen Veränderungen am Fluggerät wird niemals die Sicherheit außer acht gelassen.
Bell 47 Chamäleon Trimmung der 4in1
Aus Bell 47G wird Bell 47 Navy
Wenn der Heli jetzt noch um die Hochachse dreht, Du mit der Trimmung am Sender nicht weiter kommst, dann müssen wir jetzt die Einstellungen der 4in1 anpassen. Dazu muß die Kabinenhaube demontiert werden. Sie wird von einer Schraube auf der Unterseite des Helis gehalten. Nach dem lösen der Schraube läßt sich die Haube vorsichtig nach vorne herunter ziehen. Dabei musst Du schauen wie Du an den Steckern der 4in1 innerhalb der Kabine vorbei kommst.
Nun schaust Du Dir die beiden Einstellregler der 4in1 genau an. Welche Stellung haben die Regler ? Der linke Regler Gain, regelt wieviel das Gyroscope in der 4in1 die Gierbewegung des Helis ausgleichen soll. Die 4in1 unterscheidet ob Du ein Steuerungsmanöver an den Heli schickst oder ob der Heli von selbst sich um die Hochachse dreht. Wenn der Heli sich von selbst um die Hochachse dreht, wird das vom Gyroscope gemessen und mit einer entsprechenden Gegensteuerung ausgeglichen. Der Ausgleich wird herbeigeführt indem eine Rotorachse um das gleiche Verhältnis langsamer dreht wie die andere schneller dreht. Dadurch bleibt der Auftrieb gleich, der Heli verliert nicht an Höhe wenn die Regelung des Gyroscope das Gieren des Helis ausgleicht.
Der zweite Regler Prop steht für Proportional und regelt die Drehgeschwindigkeit der beiden gegenläufigen Rotorachsen zueinander. Normalerweise steht dieser Regler immer auf kurz vor oder nach 3:00 Uhr, es sei denn die Motoren laufen nicht gleich schnell. Beziehungsweise steht Prop auch nicht auf kurz vor oder nach neun, wenn die Motoren die beiden Rotorachsen aus mechanischen Gründen nicht gleich schnell drehen können. Es gibt 4in1 Controller wo der Prop Regler nicht mehr vorhanden ist oder nicht zugänglich ist. Dort ist dieser Wert, kurz vor oder nach neun, fest vor eingestellt. Bevor ich etwas verstelle, schreibe ich mir immer die Werte auf. Auf diese Weise kann ich jederzeit zurück auf die vorherige Einstellung, falls die neuen Einstellungen gar nicht funktionieren wollen.
Als erstes wird der Regler Prop auf kurz nach neun gestellt. Der Regler Gain sollte irgendwo zwischen 9 Uhr und 12 Uhr stehen. Um die neuen Werte zu übernehmen muss der Heli einmal stromlos gemacht werden (vom Akku trennen), bevor er bei der Initialisierungsphase (Akku mit dem Heli verbinden) die neuen Werte übernimmt. Bevor der Akku an den Heli angeschlossen wird, muß immer der Sender eingeschaltet sein. Der Sender bekommt aber nichts von den Einstellungen der beiden 4in1 Regler mit, sondern ist notwendig damit die Initialisierungsphase der 4in1 fehlerfrei durchlaufen werden kann. Zusätzlich könnten Störungen auf der Frequenz des Helis dafür sorgen das der Heli unkontrolliert startet und in das nächste Hindernis kracht. Aus diesem Grunde ist es wichtig das die Funkfernsteuerung immer eingeschaltet ist wenn der Heli an der Stromversorgung des LiPo Akkus hängt.
Nachdem nun die Einstellungen gemacht sind wird die Kabinenhaube vorsichtig wieder an seinen Platz geschoben. Die Kabinenhaube ist bei einem Testflug wichtig, da sie neben ihrem Gewicht auch das Strömungsverhalten der Rotoren beeinflußt. Ein Testflug ohne die Kabinenhaube erfordert eine ganz andere Trimmung als mit Kabinenhaube. Die Schraube zur Befestigung der Kabinenhaube kannst Du erstmal weglassen, da nach dem ersten Testflug wahrscheinlich noch mal am Gain Regler nach justiert werden muß. Der Trimmer für Gier wird an der Funkfernsteuerung in die Mitte geschoben. Jetzt lassen wir den Heli einen kleinen Hüpfer machen und beobachten in welcher Richtung er sich um die Hochachse dreht. Entscheidend ist dabei wohin sich die Kabine dreht und nicht das Heck. Dreht die Kabine nach rechts wird die Trimmung nach links geschoben um entsprechend dagegen zu lenken.
Läßt sich das Gieren nicht mit dem Trimmer ausgleichen, muß die Kabinenhaube noch mal runter und der Gain Regler höher gedreht werden.Bitte daran denken das der Heli einmal stromlos gemacht werden muß, damit die neue Einstellung übernommen wird. Die Kabinenhaube wieder aufstecken und den Test Hüpfer wiederholen. Dreht der Heli scheinbar nicht mehr um die Hochachse, wagen wir den ersten Start über den Bodeneffekt hinaus und beobachten ob die Trimmung für das Gieren in 1 Meter Höhe auch noch optimal ist.
Nach der Landung läßt sich die Trimmung am Sender entsprechend justieren. Erfahrenen Piloten können kleine Korrekturen in der Luft durchführen. Das hängt davon ab wieviel Platz zur Verfügung steht und wieviel die Trimmung nach justiert werden muß. Wer ständig das Ausbrechen des Helis verhindern muß, hat keine Zeit die Trimmung in der Luft zu verändern.
Wer mit dem Gain Regler schon weit nach 12 Uhr angekommen ist, der Heli sich aber immer noch um die Hochachse dreht, was sich nicht mittels der Trimmer am Sender verhindern läßt, hat zusätzlich ein mechanisches Problem. Die Motoren sind nicht in der Lage beide Rotoren auf gleiche Geschwindigkeit zu bringen. Die Gründe dafür können sein:
- verschiedene Motoren
- defekte Antriebszahnräder an den Rotorachsen
- nicht richtig befestigte Antriebszahnräder an den Rotorachsen
- eine oder beide Rotorachsen haben vertikales Spiel
- das oberste Kugellager hat zuviel Spiel für die innere Rotorwelle
- die Kugellagerhalter im Chassis haben zuviel Spiel für die äußere Rotorwelle
- das Chassis ist gebrochen
Alle Punkte weisen Symptome auf, die wir beachten müssen um den Fehler zu finden:
Verschiedene Motoren kommen eigentlich nur vor wenn Du schon mal einen Motor getauscht hast. Manchmal sind Motoren mit verschiedenen aufgestempelten Nummern in einen Heli verbaut. Das muß nicht bedeuten das die Motoren sich wirklich unterscheiden.Defekte Antriebszahnräder sind besonders bei langsam laufenden Rotoren hörbar. Bei jeder Umdrehung gibt es ein Klick Geräusch.
Nicht richtig befestigte Antriebszahnräder lassen sich überprüfen indem die Rotoren festgehalten werden und Du versuchst ob sich eines der beiden Zahnräder mit den Fingern drehen lässt. Am besten ist der Akku während der Überprüfung nicht am Heli angeschlossen.
Zuviel Spiel in den Kugellagern oder deren Halterungen erzeugen starke Vibrationen. Beim Schub geben wird der Heli in der Hand gehalten. Die Vibrationen sind deutlich spürbar. Aber Achtung diese Vibrationen werden auch durch verschiedene Gewichte der Rotorblätter auf einer Rotorachse hervorgerufen. Wer seine Rotorblätter auf 0,1 g genau ausgewogen hat, kann Vibrationen aufgrund ungleich schwerer Rotorblätter ausschließen.Kannst Du den Fehler nicht gleich beheben, versuche die ganze Prozedur mit einer Prop Einstellung auf kurz vor neun. Wenn das nichts hilft mußt Du mit der Prop Einstellung experimentieren. Dazu stelle den Gain Regler fest auf 12 Uhr und probiere welche Prop Einstellung am besten passt.
Wenn nach erfolgreicher 4in1 Einstellung und angepasster Trimmung das Heck des Helis immer hin und her tanzt, ist der Gain Regler zu hoch eingestellt. Die 4in1 ist nur noch am hin und her regeln. Drehe Gain etwas zurück und probiere ob sich das Verhalten bessert. Wenn Gain zu niedrig eingestellt wird fängt der Heli wieder an sich um die Hochachse zu drehen, weil die 4in1 nicht mehr auf das Gieren reagiert. Ist der Gain Regler zu hoch eingestellt, tanzt das Heck hin und her.
Die 4in1 ist sehr wärmeempfindlich, genauer gesagt ist es der Piezokristall des Gyroscope, was zur folge hat das sich das Gierverhalten im Verlauf eines Fluges verändert. Die Wärme wird von den Motoren und den Leistungstransistoren der 4in1 erzeugt. Während des Fluges kann ein nachtrimmen erforderlich werden, das hängt auch von der Beanspruchung des Helis ab.
Am Ende der ganzen Einstellarbeiten sollten wir nicht vergessen die Schraube für die Kabinenhaube wieder einzudrehen.
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